Das "U-3 Projekt" Münster-Marathon

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Thurid-zu-Beginn-2Um es vorweg zu nehmen, es handelt sich hierbei nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, um die Suche nach einem Kindergartenplatz für Unter-Dreijährige, sondern um eine anders geartete sportliche Zielsetzung, nämlich einen Marathon unter 3 Stunden zu laufen.

Bestärkt durch meine läuferischen Leistungen im Frühjahr sowie meine guten Halbmarathon-Ergebnisse in Bonn und Koblenz (jeweils in 1:22h) reizte mich der Gedanke, nach mehrjähriger Marathon-Abstinenz das Projekt U-3 in Angriff zu nehmen.

Aus eigener Erfahrung war mein Respekt vor der Distanz aber nach wie vor groß. Ich war skeptisch, ob ich den Trainingsumfang in der Vorbereitung neben meinen beiden Kindern Maren und Manuel (3 und 1 Jahre), der Berufstätigkeit und dem Haushalt bewältigen würde. Das Laufen ist zwar meine große Leidenschaft, die Familie hat jedoch die oberste Priorität in meinem Leben.


Nach längeren Überlegungen und aufgrund des Zuspruchs durch Reyk nahm das Projekt dann Kontur an. Er hat mir in der Rolle des „Personal Trainer" und als erfahrener Läufer wertvolle Trainingstipps gegeben. Außerdem war er, während ich im Wald laufend unterwegs war, immer für die Kinder da. So lief die Vorbereitung eigentlich sehr gut, obschon ich aus Zeitgründen keinen wirklich langen Lauf absolvieren konnte. Die beiden längsten Einheiten beliefen sich auf jeweils 32 km. Trotzdem war ich zunehmend zuversichtlich, eine gute Zeit laufen zu können. Immerhin wollte ich meine bisherige Bestzeit um mehr als 6 Minuten unterbieten.


Thurid-mittendrinnenAm Tag vor dem Münster-Marathon, bei dem zugleich auch die Westdeutschen Meisterschaften ausgetragen wurden, merkte ich, wie mein Adrenalin-Spiegel und die Nervosität langsam anstiegen. Am Morgen des Wettkampfs, mein Wecker klingelte um 5 Uhr, fuhr ich alleine im Auto Richtung Münster. Wir hatten beschlossen, dass Reyk und die Kinder zu Hause bleiben sollten, da es sonst für alle zu stressig geworden wäre. Die Fahrt verlief gut und ich war bereits 1,5 Stunden vor dem Start am Ziel, fürs erste. Ich ging zum Abholen der Unterlagen, alles war bestens organisiert, und meine Startnummer war die verheißungsvolle Zahl 4000! Meine Nervosität wurde merklich stärker und ich wollte, dass es nun endlich losging. Um 9 Uhr, der Startschuss, ich stand relativ weit vorne im Block, und konnte so ungestört in meinen Laufrhythmus finden. Die Beine liefen locker und leicht und ich musste mich regelrecht bremsen, die ersten 10 km nicht unter 40 Minuten zu laufen. Bei Halbmarathon hatte ich 1:26 Stunden auf der Uhr und ich fühlte mich immer noch sehr frisch. So war ich zuversichtlich, dass es ein gutes Rennen werden würde. Ich genoss die Atmosphäre an der Strecke bei super Stimmung, aber trotzdem war es nicht zu viel Rummel. Die Strecke verlief zunächst durch die Stadt selbst und führte dann in einer großen Schleife zum Aasee, über Nienberge, hinaus nach Roxel und Gievenbeck, alles flach, jedoch ab und zu etwas kurvig. Die Wetterverhältnisse waren optimal. Die Verpflegungsposten waren sehr gut mit Getränken bestückt und regelmäßig an der Strecke verteilt. Bis km 32 konnte ich in einer kleinen Gruppe mitlaufen, die jedoch dann auseinander fiel. Ab dem Punkt bin ich dann alleine weiter gelaufen, was ich mental eher als nachteilig empfunden habe. Bei km 35 bekam ich Seitenstiche und musste das Tempo reduzieren und tief durchatmen, wonach die Beschwerden sich besserten.


Ich hatte meine Uhr im Blick und rechnete mir aus, dass jetzt meinem Projekt „U-3" eigentlich nichts mehr im Wege stehen konnte. Die Muskulatur der Oberschenkel wurde zunehmend fester und schmerzhafter, da hieß es nur noch: Zähne zusammenbeißen und durchhalten. Die letzten beiden Kilometer kamen mir unendlich lang vor. Der Zieleinlauf am Prinzipalmarkt war gigantisch. In einer dicht von begeisterten Zuschauern gesäumten Prachtmeile wurde man ins Ziel am historischen Ort des Westfälischen Friedens katapultiert. Da störte dann auch das Kopfsteinpflaster nicht mehr. Im Ziel zeigte die große Uhr 2:55 Stunden an, ich war überglücklich und auch sehr stolz, mein mir selbst gestecktes Ziel erreicht zu haben. Damit wurde ich 6. Frau insgesamt und 2. Frau in meiner Altersklasse (in diesem Jahr noch in der W 35).

Die Siegerehrung auf dem Prinzipalmarkt fand zügig im Anschluss statt und wurde vom Marathon-Organisator und Münsters Oberbürgermeister vorgenommen. Nach diesem tollen Erlebnis durfte ich dann Richtung Bonn nach Hause fahren, wo ich schon erwartungsvoll von Reyk und den Kindern empfangen wurde.

Thurid Buch

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