Meine 5 Länder-Transalp


Vor mir geht die B 256 hoch und es ist mittlerweile bereits wieder sehr warm geworden. Eigentlich hätte ich die Abbiegung nach Adenau bereits erwartet. Endlich am nächsten Bergscheitel, weist mir ein Verkehrsschild rechts „Adenau 6 Km". Es geht jetzt gemütlich bergab, der Fahrtwind kühlt jetzt zumindest ein wenig und plötzlich wird mir klar „es" fast geschafft zu haben. An diesem achten Tourtag fahre ich meine Schlussetappe. Noch eine kurze Mittagspause am Eingang der Nordschleife und ein letztes Mal mit Radklamotten durch den Supermarkt für Buttermilch und Wasser. Danach steige ich zum letzten Mal mit Rucksack auf mein Rennrad und fahre die letzten 45 Kilometer in einem lockeren Tritt. Schade eigentlich, dass dieses Abenteuer gleich vorbei ist.


Das Abenteuer begann vor genau einer Woche am Freitag dem 25. Juni 2010. Nach einer guten Flugstunde über die teilweise noch mit relativ viel Schnee bedeckten Alpen wurde ich samt Radkarton am Flughafen Malpensa (IT) Nähe Mailand abgeliefert. Radaufbau und Entsorgung des Verpackungskartons klappen problemlos und kurz nach halb Zehn war ich dann wieder unterwegs nach Hause. Ich hatte meine Rückfahrstrecke nur grob geplant und in mein Navigationsgerät geladen, schließlich war der Weg mein Ziel. Mal sehen, ob es mir gelingt, mehrere Tage hintereinander längere und vor allem schwerere Strecken zu fahren wie sonst. Übernachtungen hatte ich deswegen auch nicht im Voraus gebucht, keine Ahnung was mein Körper mir erlauben würde. Also einfach mal los geradelt; ein herrliches Gefühl. Die Sonne scheint und die Wolken sorgen für eine angenehme Temperatur. Mein 9 Kilo Rucksack spüre ich kaum und nach gut zwei Stunden sehe ich die ersten Konturen der italienischen Alpen die den Comersee umgeben. Dann meldet mein Navigationsgerät „Strecke erfolgreich beendet" und zeigt nichts Brauchbares mehr an. Zum Glück kenne ich die Gegend hier relativ gut und „Bellagio" ist bereits ausgeschildert. Nach einer kurzen Mittagspause mit einem herrlichen Pannini „Prociutto-Formaggio" und einem Liter Mineralwasser geht es zum ersten mal richtig bergauf. Erst langsam aber dann stetig etwas steiler, nicht zu viel Gas geben, man weiß nie was nach der nächste Kurve wartet. In diesem Fall aber war die Belohnung sehr schön, am höchsten Punkt liegt die für Radfahrer wohl berühmteste Kapelle „Madonna di Ghisallo", direkt daneben das Rennradmuseum.


In der Kapelle liJanRoelfszema1-300egen viele „Heiligtümer" von Weltmeistern und Olympiasiegern wie Fausto Coppi, Eddy Mercx und Marco Pantani. Die alten Räder hängen festgekettet an der Decke und den Seitenwänden der Kapelle. Die vielen Radlertrikots, Bilder und Nachrichten aus (lokalen) Zeitungen lassen viele Erinnerungen aufblühen und machen einem gleichzeitig wieder die beiden Gesichter des Radsports bewusst. Während des Besuchs gehen meine Gedanken auch zurück in die Vergangenheit und es wird mir klar, wie privilegiert ich bin, diese Tour machen zu dürfen. Dann geht es rasant bergab Richtung Bellagio zur Autofähre. Eine geeignete Unterkunft finde ich dann nach 152 Km und knapp 1400 Höhenmetern in einem Bikerhotel in Chiavenna (CH), nördlich des Comersees.




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