Nordic Walking Tour ins Rheinische Braunkohlerevier

Es ist Sonntagmorgen der 8.08. gegen 7:30 Uhr. Ein Blick aus dem Fenster lässt meine Vorahnung zur traurigen Gewissheit werden. Es regnet Bindfäden und das gerade am heutigen Tag, an dem unsere 1. Nordic Walking Veranstaltung außerhalb Alfter, im Bereich des Rheinischen Braunkohle Tagebaus in Hambach, stattfinden soll.

Am Hertersplatz angekommen bin ich überrascht, dass sich doch insgesamt 32 Unerschrockene eingefunden haben. Spontan werden Fahrgemeinschaften gebildet und die Autos entsprechend belegt. Pünktlich um 9 Uhr setzt sich unser aus 10 Fahrzeugen bestehender Konvoi dann in Bewegung. Über Hersel steuern wir die Autobahn an und fahren über den Kölner Ring, in Richtung Frechen, Aachen, Kerpen, an Düren vorbei bis zum 1. Ziel unserer Tagestour, dem Aussichtspunkt Elsdorf. Hans-Georg Löhndorf und Gabi bilden die Spitze, Norbert Schüller den Schluss des Konvois. Mit von der Partie ist unser NW-Mitglied Josef Schmidt, der sich im Verlauf des Tages als kompetenter Wissensvermittler in Sachen Braunkohle zeigen wird. Ohne ihn hätten wir nur Bruchteile von dem erfahren, was es an Wissenswertem über den Tagebau gibt. Herzlichen Dank Josef für die vielen interessanten und beeindruckenden Informationen.

Am Aussichtspunkt in Elsdorf macht sich, was die Sicht betrifft, Ernüchterung breit. Es regnete, überall sehen wir tiefliegende Wolken und von Weitsicht kann keine Rede sein. Wirklich schade, denn so kann man das riesige Areal Bild 1mit seinen vielen terrassenförmigen Hängen und das mächtige Kohleflöz, mehrere hundert Meter tief unter uns, im Dunst kaum erkennen. Kurz darauf reißt die Wolkendecke aber unvermittelt auf und wir können die größte Tagebau-Grube Deutschlands doch noch bestaunen. Die Eindrücke in Worte zu fassen ist nicht möglich, denn zu gigantisch sind die Dimensionen. Das ganze Areal ist so unvorstellbar groß, dass selbst die weltweit größten Schaufelrad-Bagger, mit 240 m Länge, 98 m Höhe, 45 m Breite und einem Gewicht von 12.840 Tonnen wie Spielzeuge wirken und sich in der Landschaft fast verlieren. Alleine das Schaufelrad hat einen Durchmesser von 21.6 m (so viel wie ein 8-stöckiges Haus) und verfügt über 18 Schaufeln. Jede fasst 6,6 m³. So kommen täglich ca. 240.000 Tonnen Förderleistung zusammen. Das gesamte Areal des Braunkohletagebaus Hambach ist von Transportstraßen, Trassen, Förderbändern und Schienen, durchzogen. Hier verkehren überdimensionierte Schwerlastbahnen, die zu den größten der Welt gehören. Der Tagebau Hambach ist mit 3.389 Hektar Fläche, bei einem maximalen Areal von 8.500 Hektar, der größte Tagebau in Deutschland. Hier werden jährlich 40 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Man schätzt, dass noch etwa 1.772 Millionen Tonnen Braunkohle zum Abbau zur Verfügung stehen. Dabei fällt jährlich eine Abraummenge von 250 - 300 Millionen m³ an. Mit ca. 400 Meter Tiefe ist der Hambacher Tagebau übrigens auch in diesem Punkt der tiefste seiner Art in Deutschland. Die geförderte Braunkohle wird über die Hambachbahn weiter zu den Kraftwerken Niederaußem, Neurath, Frimmersdorf und Goldenberg zur Stromerzeugung transportiert. Weithin sichtbares Markenzeichen des Hambacher Tagebaus ist die Hochkippe Sophienhöhe. Sie entstand durch die Anschüttung von rund 1,1 Milliarden m³ Material und gilt als weltgrößter künstlich angelegter Berg, der die Bördelandschaft weithin sichtbar um 200 Meter überragt.



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